Brüche nicht erkannt: Spital muss Opfer mehr als 11.000 Euro zahlen - Bericht in den OÖ Nachrichten

INNVIERTEL/AMPFLWANG. Mehrfach-Bruch erst spät diagnostiziert – Unfallopfer wurde im Spital nur bandagiert.

 

Der Innviertler Rechtsanwalt Harald Korp hat für ein Unfallopfer aus Bayern bei Gericht mehr als 11.000 Euro erstritten, bezahlen muss der Träger eines Salzkammergut-Klinikums. Der Bayer – ein hauptberuflicher Lokführer – hatte in der Freizeit im Lokpark Ampflwang an der Instandsetzung einer historischen Lokomotive mitgearbeitet. Dabei stürzte der Mann und knickte um.

Im später beklagten Klinikum wurde geröntgt, aber offenbar die Tragweite der Verletzung – ein multipler Bruch – nicht erkannt. Diagnostiziert worden waren eine Prellung der Lendenwirbelsäule und eine Prellung des rechten Fußes, die Behandlung bestand in der Bandagierung des rechten Fußes, so die Gerichtsakten.

Sollten sich die Beschwerden nicht bessern, solle sich das Unfallopfer an seine Hausärztin wenden. Da keine Besserung eintrat, suchte der Bayer die Hausarztpraxis auf, wo allerdings eine Urlaubsvertretung den Verunfallten weiter krankschrieb und zu einem weiteren Kontrolltermin bestellte, zu dem die "reguläre" Hausärztin wieder anwesend sei.

Diesmal wurden Schwellungen und eine Rötung des Vorfußes diagnostiziert. Schließlich wurde das Unfallopfer an einen Facharzt verwiesen, der Unregelmäßigkeiten der Knochenstrukturen feststellt und eine computertomografische Untersuchung veranlasste. Bei dieser wurden mehrere Brüche diagnostiziert.

Brüche, die im Klinikum in Oberösterreich nicht erkannt worden waren, obwohl es im Röntgen Hinweise gegeben habe, so die Vorwürfe. "Hätte man dort gleich ein MRT gemacht, hätte man den multiplen Bruch festgestellt", so WKG-Anwalt Harald Korp, der sich mit Erfolg für das Unfallopfer einsetzte: Das Landesgericht Linz spricht dem Opfer mehr als 11.000 Euro zu – die beklagte Klinikumsseite hat allerdings noch die Möglichkeit, zu berufen.

Die Brüche hätten bei der Erstbehandlung festgestellt werden müssen, so das Gericht. Der radiologische Befund und die dokumentierten klinischen Beschwerden hätten unverzüglich zu einer computertomografischen Abklärung führen müssen, heißt es seitens des Gerichts. Die Behandlung sei nicht lege artis erfolgt, wie sich nach Einholen eines Sachverständigengutachtens ergebe.

Die beklagte Partei verweist zwar darauf, dass auch in Bayern seitens der Hausärzte die Tragweite der Verletzung nicht sofort erkannt worden sei. Durch die erfolgte Nachbehandlung werde die Verantwortung der beklagten Partei aber nicht aufgehoben – laut Gericht sei die Erstbehandlung entscheidend. Zudem sei kein eklatantes Fehlverhalten der nachbehandelnden Ärzte erkennbar.